Ryder Cup Bewerbung – was bleibt?

Jetzt gebe ich auch ich noch meinen Senf zur Ryder Cup 2022 Bewerbung. Nachdem jetzt ein Tag vergangen ist, die meisten Blogger und Golfseiten ihre Analyse abgegeben haben ist es Zeit ein Fazit zu ziehen und dann mit dem Thema abzuschliessen.

Der bessere gewinnt

Grundsätzlich ist meine Meinung, dass immer der bessere gewinnt. Was das „bessere“ ist, ist natürlich auch immer eine Frage des Standpunkts. Was die Ryder Cup Bewerbung anbelangt bin ich auch der Meinung, dass wir nicht die beste Bewerbung hatten. Damit ihr mich nicht falsch versteht, mein Jubel wäre riesengroß gewesen wären die Spiele nach Deutschland gekommen. Den Ryder Cup direkt vor meiner Haustüre – ein Traum!

Was hat gefehlt?

Ich habe keinen Zweifel, dass Go Deutschland 22 eine sehr gute Bewerbung abgegeben hat. Auch wenn es Anfangs etwas Gezanke gab (z.B. um die Steuerbefreiung) haben sich alle – zumindest offiziell – hinter die Bewerbung gestellt.

Mit BMW an Bord schien man einen potenten und repräsentativen Partner auf seiner Seite zu haben. Das galt zumindest unter George O’Grady. Mit Keith Pelley sieht es aber anders aus. Das zeigt sich daran, dass die BMW PGA Championship nicht mehr zum Flagship Event zählt. Neuer Chef, neue Strategie. Ob dies eine Auswirkung auf das Golf Sponsoring von BMW hat wird die Zeit zeigen, aber die fühlen sich in München bestimmt verarscht.

Des Weiteren ist es natürlich auch so, dass Golf in Deutschland einfach einen sehr geringen Stellenwert hat. Jedoch bezweifle ich, dass dies in Italien oder in Österreich anders ist. Der DGV hilft ja auch nicht unbedingt dabei Golf volksnaher zu gestalten. Wie ich mir Golf wünsche habe ich an anderer Stelle geschrieben.

Was sagen die deutschen Golfer?

Das Statement von Martin Kaymer nehme ich ihm nicht ab. Man darf von ihm durchaus mehr öffentliche Begeisterung für einen Ryder Cup in Deutschland erwarten. Im Entscheidungsjahr hätte er sich durchaus auch überwinden sollen und nebst dem BMW International Open auch die Porsche European Open zu spielen. Als Signalwirkung hätte das geholfen.

Von Langer und Siem habe auch nicht viel mitbekommen, obwohl ich die einschlägigen Golfmedien durchaus aufmerksam auf dem Schirm habe.

Geld regiert

Schlussendlich ist die Ernüchterung groß und Pelley hat klar gezeigt wo es auf der European Tour lang gehen muss. Die Börsen der Turniere müssen drastisch steigen um ein abwandern der Stars auf die große PGA Tour zu verhindern.

Ob der Marco Simone Golf and Country Club nach glorreichen Jahren jetzt ein abgenutzter Platz ist, spielt auch keine Rolle. Der wesentliche Punkt dahinter ist – und das ist meiner Meinung nach der ausschlaggebende Grund – das neue Platzdesign und der Umbau wird von einer Tochter der European Tour gemacht. Die European Tour verdient ja vorwiegend mit dem Ryder Cup Geld und wenn man hier noch ein paar Euros extra machen kann, wieso nicht?

Geld gibt es in Zukunft auch bei der Open d’Italia. Das Preisgeld steigt für die nächsten Jahre auf 7 Millionen Dollar. Da stinken die deutschen Turniere dagegen ab. Geld regiert und Geld braucht es um die European Tour attraktiv zu halten.

Fazit

Italien hat verstanden was Pelley will, die anderen nicht. Sie zeigen wo es in Zukunft hingehen soll und muss und haben die Spiele verdient.

Olympia und die verpasste Chance

Man kann unterdessen viel lesen über das olympische Golfturnier. Weshalb jetzt noch einen Beitrag über Golf und Olympia? Aus meiner Sicht gibt es noch andere Aspekte als die Skandale über den Bau des Olympiaplatzes, die Umweltschäden, den Wasserverbrauch, Korruption et cetera. Andere können besser darüber berichten wie ich. Einen aktuellen Beitrag dazu findet man auf NurGolf.
Ich denke man vergibt eine einmalige Chance Golf publikumswirksam zu präsentieren.

Pros oder Amateure?

Es fängt damit an, dass es Pros gibt die welche das olympische Turnier als das fünfte Major sehen. Andere wiederum sehen in dem Turnier gar keine Bedeutung wie z.B. der Australier Adam Scott welcher auf einen Start verzichtet.

Welchen Stellenwert kann so ein Turnier haben? Das Turnier ist prädestiniert als Weltklasse Amateurturnier. Wenn man sieht was in den letzten Jahren für großartige Spieler aus den Amateuren hervorgegangen sind, so in Spannung garantiert.

Weshalb schon wieder Zählspiel?

Langweiliges Zählspiel wurde gewählt. Weshalb? Es gibt doch soviele bessere und spannendere Formate. Allen voran Matchplay! Das WGC Matchplay zeigt doch um wieviel spannender dieses Format ist. Auch wer nicht so affin ist was Golf anbelangt lässt sich davon beeindrucken. Ein wirkliches Mann gegen Mann und Frau gegen Frau!

Oder wie wäre es mit einem mixed Team Format als Best-Ball? Nein, stattdessen das was man Woche für Woche auf den großen Turnieren sieht.

Für nicht Golfer ist Zählspiel langweilig anzuschauen und schwer zu erklären. Selbst für den Kenner kann es eher träge sein. Siehe Nedbank Golf Challenge im Dezember 2015. Ein Turnier von Weltformat mit einem elitären Starterfeld von nur 30 Spielern – langweilig und ohne Spannung.

Fazit

Es wurde und wird eine große Chance vergeben Golf als attraktive Sportart zu zeigen. Dem Ruf wird es nicht helfen. Wir dürfen gespannt sein wie lange Golf olympisch bleibt. Diese Zeit muss man aber nutzen und Golf zeigen als das was es ist. Großartig, sportlich und anspruchsvoll. Eine „Gentlemen“ Sportart bei dem Fairplay großgeschrieben und auch gelebt wird.

Mein Golfplatz

Man darf ja ein bisschen Träumen und ich träume vom eigenen Golfplatz. Wie würde ich meinen Golfplatz betreiben? Was wäre mir wichtig?

Was ganz klar ist, es muss ein Platz im Links-Stil sein und sonst?

Platzreife?

Fangen wir gleich mal mit einem Reizthema an – die geliebte und gehasste Platzreife. Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass man sich den Regeln bewusst ist. Diese bekommt man im Rahmen einer Platzreifekurs beigebracht – zumindest die wichtigsten. Sollte man zumindest denken.

Ich habe aber auch gesehen wie die Prüfung bei einer billig Platzreife abläuft, wie man sie z.B. über Gutscheinportale bekommt. Da steht vorne ein Flipchart, daneben der Teaching-Pro und die Golfschüler alle davor. Jeder hat das Prüfungsformular in der Hand und die Fragen werden in einer Gruppenarbeit beantwortet. Keine Notwendigkeit sich selber intensiv mit den Regeln auseinanderzusetzen.

Der praktische Teil läuft wie folgt ab. Es werden Vierer Flights gebildet und man spielt Best-Ball. Am praktischen Teil nimmt dann eine dreistellige Anzahl Schüler teil, dass es gar nicht möglich ist zu schauen ob die überhaupt ansatzweise in der Lage sind einen Ball zu treffen.

Somit ist die Antwort eigentlich klar. Vergessen wir die Platzreife und lassen die Leute einfach spielen, denn so bringt es nichts. In Großbritannien und den USA funktioniert es ja auch ohne Platzreife, weshalb soll es hier nicht funktionieren? Die Clubs fürchten wohl um eine Einnahmequelle.

Bluejeans – ja oder nein?

Eine Frage die speziell in Foren immer wieder zu angeregten Diskussionen führt. Man kann die Frage ja auch anders stellen: In welcher anderen Individualsportart gibt es eine Kleiderordnung? Mir kommt keine in den Sinn, ich kenne das nur aus Teamsportarten und Golfer spielen ja eher selten im Team.

Wenn die Leute in Jeans spielen wollen, lasst sie doch. Man merkt schnell, dass normale Jeans nicht ideal sind und man wechselt schnell zu Sporthosen, welche bequemer und leichter sind und der Stoff auch mehr Stretchanteile hat. Man kann sich auch Fragen, weshalb auch nur die Bluejeans anecken? Bei schwarzen Jeans ist alles wieder in Ordnung.

Und weshalb brauchen die Oberteile unbedingt einen Kragen? Ein Sport T-Shirt macht es doch genau so.

Handicap Beschränkung?

Wie man oben bei der Platzreife bestimmt rauslesen kann, gibt es auf meinem Golfplatz kein minimum Handicap. Die Clubvorgabe (-37 bis -54, resp. PE) ist auch schon ein Unding. Wenn ich mich nicht täusche, geht es auf der anderen Seite des Ärmelkanals erst bei -28 los. Also sollten wir das hier auch so machen. Diese Extrawurst finde ich nervig.

Lasst uns dieses Handicap Ding eh gleich ganz vergessen. Handicap ist nicht wichtig! Wichtig ist nur, dass man Spaß hat und dabei spielt es keine Rolle ob ich Singlehandicaper bin oder Anfänger.  Ich will einen Handicap freien Golfplatz.

Turniere ohne Handicap?

Ich mag eh kein Zählspiel und Stableford auch nicht. Wer unbedingt will hat auf anderen Plätzen genügend Möglichkeiten, bei mir gibt es bestenfalls Matchplay. Nur im Matchplay kann man sich wirklich messen! Kein Spiel gegen „virtuelle“ Gegner, dem Gegner Auge-in-Auge gegenüber stehen! So muss das sein! Im Golfpost Blog habe ich dazu schon mal geschrieben.

Träume werden es bleiben. Selbst bei einem Lottogewinn werde ich mir keinen Golfplatz leisten können. Teuer so ein Ding – leider und hier wird es wohl kaum Golfspieler geben die meine Vorstellungen von diesem großartigen Spiel teilen.